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MÝNE SANAT GALERÝSÝ
Baðdat caddesi,
Ogün sok. No:3 Caddebostan/ÝSTANBUL


Tel: (0216) 385 12 03
Fax: (0216) 467 26 77
Cep: (0536) 553 50 66

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Zeki Arslan

 

Renk Akýmý / Farbströme   

 

Mine Sanat Galerisi

 

20 Ekim - 20 Kasým

Oct 20 - Nov 20 2000

Kunstverein  Lippstadt  1997

 

Vorwort

ZEKI ARSLAN
ÜBER DIE BESTIMMUNG DER FARBE

Farbrichtung, Farbbewegung, Farbsymbolik bilden im Werk von Zeki Arslan einen Kreislauf, einen Kontext. Diese farbdominierende Stimmung findet sich in seinen ungegenständlichen Bildern seit 1986 wieder. In einer ersten Annäherung erreicht den Betrachter dieser Gemälde der Gedanke, daß es sich hier um informell ähnliche Bilder handeln mag, in denen Strukturen zu finden sind, in denen Auflösung von Formen das Thema ist. Die Kunstgeschichte kennt solche Werke seit den 50er Jahren in Europa und den USA, wo die Kritik den Begriff des abstrakten Expressionismus geschaffen hat. Jedoch existiert das Informel nur noch in einer historischen Dimension; es ist keine zeitgenössische Kategorie mehr.

Wenn Zeki Arslan seit ca. 15 Jahren - formal gesehen - Bilder abstrakt-expressionistischer Provenienz malt, so muß dies einen anderen Grund haben als die Malerei der 50er Jahre. Und genau in dieser Fragestellung liegt auch das Konzept des Malers begründet.

Zeki Arslan verwendet in seinen Werken - kompositionell gesehen - das Prinzip des All-over. Dies meint, daß Farbformen bzw. Reste von ihnen sich über das ganze Bild verteilen, daß dieses Bild keine traditionelle Mitte mehr hat, von der ausgegangen worden ist. Die Freiheit des Malers besteht nun darin, daß er oben, unten, an den Seiten, wo auch immer mit seiner konzeptuellen Farbmalerei anfangen kann, um das Bild von seinem Wesen her fließen zu lassen. Diese Werke haben keine Rahmung, weder im Inneren noch im Äußeren. Das Farbgeschehen dringt über die Kanten hinweg und erreicht imaginäre Orte. Das Bild, sein Energiefeld gehen nach außen weiter. Der physische Körper wird somit verlassen und dadurch mag der Betrachter ein Gemälde in einem imäginaren Feld des Möglichen weiterdenken bzw. weiterempfinden.

So kommen wir wie selbstverständlich zu der Frage nach dem Grund dieser Malerei. Diese Ölgemälde entstehen in einem relativ langen Prozeß, allein der Trocknungsprozeß des Öls erlaubt keine Malartistik. Zeki Arslan arbeitet an mehreren Gemälden gleichzeitig und nimmt sich viel Zeit, um sie zu vervollkommnen. Vielfältige malerische Prozesse sind von uns wahrzunehmen, wie die Bewegung des Pinsels, das Ziehen der Farbe mit einem Rakel, das Übermalen schon geschaffener Farbschichten, letztlich das Zerstören von eindeutigen Formen. Unterzieht man sich der Mühe, lediglich einen Ausschnitt intensiv anzuschauen und mit den Augen auf eine Farbreise zu gehen, so wird man vielerlei malerischer Aktivität nachspüren können.

In der europäischen Vorstellung von Farbwirkungen, so wie dies Johann-Wolfgang von Goethe durch seine Untersuchungen uns übermittelt hat, nehmen die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau eine besondere Richtungsquälitat ein. Rot ist die am mächtigsten nach vorne dringende Farbe, Gelb die zweitstärkste und Blau diejenige, die sich stark zurückzieht. Schaut man sich Zeki Arslans Gemälde unter diesem Aspekt an, so wird man gewahr, daß diese Farbgerichtetheit bei ihm nicht vorherrscht. Ein Rot kann sich durch seine malerischen Brechungen hier ebenfalls zurückziehen, während ein Blau mächtig nach vorne dringen kann. Diese Beobachtung läßt uns weiter nach dem Grund dieser Malerei fragen.

Diesen Grund finden wir in dem Erkenntnisinteresse des Malers seiner eigenen Tradition gegenüber. Ýn der alttürkischen Farbvorstellung steht Blau für Osten, Rot für Süden, Schwarz für Norden und Weiß für die westliche Himmelsrichtung. Eine Installation des Malers mit vier bemalten Holzpfählen um ein Oval (1997) hat diese Himmelsrichtungen als Objekt zur Anschauung gebracht. Die Farbgerichtetheit in den Gemälden von Zeki Arslan geht in erster Linie auf seine Orientierung gen Orient und nicht gen Okzident zurück. Dies ist fundamental, will man den gewichtigen Farbkosmos dieses Malers verstehen. Daß Zeki Arslans Bilder sich auch auf Phänomene aus der Physik, der Chaos-Theorie beziehen, ist bereits an anderer Stelle ausgeführt worden. Es bleibt daher kurz festzustellen: Durch die Art und Weise der Anziehung der Farben untereinander, durch ihre Brechung voneinander sowie durch die chaotische Ordnung in der Komposition erreicht Zeki Arslan eine malerische Dimension, die von internationaler Bedeutung ist.


Tayfun Belgin